Mittwoch, 10. Januar 2018

Neues Jahr, neue Umstände...

Wenn im Winter die Bächlein überlaufen, sogar die Fische im Gartenteich ersaufen, wenn der Sturm die Bäumlein knickt, sich der Wettermacher wohl gerade selbst… übertrifft. Mal ehrlich: Zuerst ein Herbststurm, dann frühlingshafte Temperaturen – gefolgt von sommerlichem Platzregen. Drei Jahreszeiten innerhalb einer Woche, Respekt! Hochwinter wäre jetzt? Da lacht sogar die Katze. Der Wettermacher und seine fleissigste Mitarbeiterin, eine gewisse Burglind, geben wirklich alles. Mein einleitendes Gedicht passt somit gut, auch wenn es sich nicht so richtig reimen mag. Einen Dichter wird es aus mir wohl nie geben...
 
Apropos Dichter: Dichter Nebel ist zu sehen, als ich heute Morgen einen ersten Blick aus dem Fenster wage. Es schifft und stürmt aber ausnahmsweise nicht, also sofort raus. Die heutige Tour muss eine Meereshöhe etwa 700 m erreichen, um auf jeden Fall aus dem Nebel zu kommen. Aber nicht über 1000 m, da sonst der restliche Schnee ein Problem werden könnte. Zudem gilt es, den Wald möglichst zu meiden. Gar nicht so einfach. Ich stelle mir eine Emmental-Tour zusammen, inklusive Plan B und C. Dies für den Fall, dass ich – Burglind sei Dank – irgendwo nicht durchkommen sollte. Möglichst den Wanderwegen will ich folgen...
 
Bei stockdichtem Nebel und erstaunlich kalten minus 1 Grad geht es los. Zuerst nehme ich den Steinhof zum Aufwärmen. Kurz darauf folgt der sanfte Aufstieg zum Friesenberg auf rund 800 m. Der Nebel ist rasch geschlagen, und die Sicht auf einen herrlich dichten Wolkendeckel wird frei. Mit leichtem Auf und Ab rollt das schlanke Bike nach Affoltern und weiter zur Schaufelbühlegg. Eine mir bislang unbekannte Abfahrt führt dann an Lützelflüh vorbei nach Ramsei. Hier geschieht Unfassbares: Die Sonne scheint milchig durch den Wolkendeckel! Ich spüre regelrecht, wie mein Körper Glückshormone ausschüttet...
 
Schliesslich erreiche ich das Dorf Rüderswil, wo ein kurzer, aber steiler Anstieg zum Weiler Mützlenberg führt. Bis jetzt lag mir noch kein einziger Baum im Weg. Es wurde und wird allerdings bereits fleissig geräumt. Am Aufstieg Richtung Vorderlängholz endet die Glückssträhne: Innerhalb weniger Meter liegen mehrere Baumstämme auf dem Weg. Es scheint aber so, als hätte es hier vor kurzer Zeit noch deutlich schlimmer ausgesehen. Beim Hof Hinterlängholz verfahre ich mich dann noch ein bisschen. Dies wird mir erst bewusst, als es plötzlich steil abwärts geht. Und wenn es im Uphill down geht, ist was faul...

Hochwinter? Ich lache mich tot...
Der Schatten beweist: Die Sonne scheint!
Gruss von Burglind unterhalb der Blasenfluh
 
Man muss schon ein riesiges Talent sein, um hier trotz Markierung und GPS vom Wanderweg abzukommen. Aber darin bin ich Weltklasse, da macht mir keiner was vor. Bei der Moosegg hat sich das mit der Sonne für heute wieder erledigt. Wir wollen ja mal nicht übertreiben. Hier fragt mich eine Frau in schönstem Emmentaler Dialekt, ob es gut zu fahren gewesen sei. Meine Antwort lautet grob zusammengefasst: ja. Ich passiere das Restaurant Moosegg und biege kurz darauf in den Wald an der Blasenfluh ab. Hier hat die stürmische Burglind dann doch noch einige Grüsse mehr für mich parat...
 
Die Blasenfluh (1118 m) gehört eigentlich gar nicht zum Programm, ist eine spontane Schnapsidee. Das Fallholz ist hier deutlich problematischer als der Schnee. Als ich oben aus dem Wald komme, fragt mich ein Mann, ob es gut zu fahren gewesen sei. Meine Antwort lautet grob zusammengefasst: nein. Obwohl es noch schlimmer geht, wie ich bald erfahren sollte. Bei starker Bewölkung führt mein Weg zum Weiler Blasen hinab. Nach einer morastbedingten "Langsamfahrstelle" im Chapfwald folgt die Abfahrt nach Arni. Im Rotiholz treffe ich den schlimmsten Sturmholz-Abschnitt an. Hier mutiert die Biketour definitiv zum Hindernislauf...

Weg zum Weiler Blasen
Blick auf Arni BE
Blick auf Biglen und die Alpen
 
Als ich bei Arnisäge aus dem Wald komme (oder aus dem, was davon übrig ist), fährt gerade der Bauer und/oder Waldeigentümer vor. Mit den Worten "Puh, wie sind Sie denn da durchgekommen" begrüsst er mich. Er wolle heute mit den Aufräumarbeiten beginnen, setzt er fast schon entschuldigend fort. Da hat er aber einiges vor. Kurz darauf passiere ich den Weiler Arnisäge. Hier war ich letztmals am 19. Dezember 2007. Ich bin froh, folgt jetzt ein ruhiger, waldfreier Abschnitt an Biglen vorbei auf die Anhöhe bei Gumm. Meinen Plan B sollte ich bei der anschliessenden Fahrt zur Aspiegg jedoch noch mehrmals brauchen...
 
Die unscheinbar anmutende Aspiegg bietet eine erstaunliche Aussicht, zumindest theoretisch. Bei der Abfahrt von Saarbaum nach Otzenberg wird mein Grundsatz "Wer das Emmental liebt, muss auch den Morast lieben" wieder einmal mehr bewiesen. Sobald es etwas flotter geht, spritzt einem die ganze Sosse dann ins Gesicht. Radquer lässt grüssen. Aber wie sagt man so schön: Humus ist, wenn man trotzdem lacht. Oder so ähnlich. Auf einem Singletrail fahre ich dem Goldbach entlang ins gleichnamige Dorf. Eigentlich wollte ich noch den Schlossberg-Singletrail ob Lützelflüh in meine Tour einbauen...

Waldpfad bei der Aspiegg
Aspiegg, Blick nach Osten
Zwischen Goldbach und Schwanden i. E.
 
Als ich aber schon aus der Ferne krumme Bäume am Hang erkenne, lasse ich mich von den Beatles inspirieren, und zwar mit dem Song "Let It Be". Zu gross erscheint mir die Gefahr, dass dort oben der Song "Help!" noch treffender werden könnte. Ich fahre der Emme entlang nach Hasle und baue auf dem Rückweg noch die Lueg ein. Beim Aufstieg nach Wintersei muss ich wegen Holzabfuhr einen Moment warten. Über den Kamm geht es dann über die Egg zur Lueg, nochmals mit ein paar Klettereinlagen. Nach einer unspektakulären Abfahrt nach Wynigen folgt der ebenso unspektakuläre Rest nach Hause...
 
"Smoke on the water, wood on the way" hätten Deep Purple heute singen können. Aber ich war draussen, habe sogar fast eine Stunde lang die Sonne gesehen: Es hat sich gelohnt, aller Umstände zum Trotz…

Höhenprofil



Tourdaten: Weite 88,9 km / Höhe 2180 m / Fahrzeit 5:36 h
GPS-Aufzeichnung der Tour: Blasenfluh-Arni-Aspiegg
 

2 Kommentare:

  1. Auf die Blasenfluh muss ich auch wieder mal....vielleicht wenn ich die Grippe hinter mir habe...;-)

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    1. Mich hat die Grippe mittlerweile eingekesselt, aber noch bleibe ich standhaft. Gute Besserung!

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